Im ausgehenden 19. Jahrhundert trafen sich an Sommersonntagen die Dienstboten der Stadt: Köchinnen, Kindermädchen, Mägde und Knechte. Sie kamen in den frühen Morgenstunden in den Englischen Garten an den Chinesischen Turm, lange bevor die Herrschaften erwachten und der Dienst begann. Es war die einzige freie Zeit, die ihnen blieb.
Was als zwangloses Zusammenkommen begann, wuchs zu einem Volksvergnügen, zu dem sich an Sommersonntagen bis zu achttausend Hausangestellte einfanden. Getanzt wurde zu Blasmusik, geredet, geworben, gelacht. Der Kocherlball galt rasch als das geselligste Fest des Jahres.
1904 untersagte die Obrigkeit das Treiben aus Mangel an Sittlichkeit. Fast neun Jahrzehnte lang schwieg der Turm an den Sonntagmorgen. Erst 1989, zur 200-Jahr-Feier des Englischen Gartens, wurde der Kocherlball wiederbelebt.
Seither findet er jedes Jahr am dritten Sonntag im Juli statt und beginnt traditionell um sechs Uhr in der Früh. Wer dabei ist, erlebt für ein paar Stunden ein München, das es so nur einmal im Jahr gibt.